Wie smarte Gebäude wirklich funktionieren

Vom Aufzug zur Datenquelle: Wie smarte Gebäude wirklich funktionieren

Smart Buildings sind längst mehr als ein Trendwort. Hinter dem Begriff steckt ein klarer Anspruch: Gebäude sollen nicht nur betrieben, sondern aktiv gesteuert, optimiert und an die Bedürfnisse ihrer Nutzer angepasst werden. Dabei spielt eine Komponente eine deutlich größere Rolle, als viele zunächst vermuten würden: der Aufzug.

Veröffentlicht 26.08.2026

„Ein Smart Building nutzt Daten zur Optimierung von Betrieb, Nutzererlebnis und Kosten“, erklärt Andreas Backer, Produktmanager für digitale Lösungen bei KONE. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zu klassischen Gebäuden. Informationen werden nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet und für konkrete Entscheidungen genutzt.

Was ein Gebäude wirklich „smart“ macht

Der Begriff Smart Building wird oft inflationär verwendet. Doch Technologie allein macht ein Gebäude noch nicht intelligent. Erst wenn Daten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt, analysiert und für automatisierte Prozesse genutzt werden, entsteht echter Mehrwert.

Während sich Smart-Home-Lösungen vor allem auf den Komfort einzelner Bewohner konzentrieren, geht es im Smart Building um deutlich komplexere Zusammenhänge. Betreiber möchten Prozesse effizienter gestalten, Energiekosten senken, die Sicherheit erhöhen und gleichzeitig den Komfort für Nutzer verbessern.

Die zentralen Ziele lassen sich auf vier Bereiche reduzieren:

  • Effizienz
  • Komfort
  • Sicherheit
  • Nachhaltigkeit

Ein einfaches Beispiel ist die Reinigung von Büroflächen. Wenn Sensoren und Gebäudesysteme erkennen, dass ein Besprechungsraum mehrere Tage nicht genutzt wurde, kann die Reinigung bedarfsgerecht angepasst werden. Das spart Zeit, Ressourcen und Kosten.

Der Aufzug wird zum Teil des digitalen Gebäudes

„Der Aufzug wird von einem autarken Fördermittel zu einem vernetzten Bestandteil des Gebäudes.“ Andreas Backer – Produkt Manager

Traditionell war der Aufzug vor allem ein Transportmittel. In modernen Gebäuden entwickelt er sich zunehmend zu einer vernetzten Informationsquelle.

Moderne Aufzüge erfassen heute eine Vielzahl von Betriebsdaten. Sie wissen beispielsweise, wie häufig bestimmte Etagen angefahren werden, wie stark sie ausgelastet sind oder ob technische Auffälligkeiten auftreten. Diese Informationen können anderen Gebäudesystemen zur Verfügung gestellt werden.

Gleichzeitig kann der Aufzug selbst Informationen empfangen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für die Steuerung von Personenströmen, die Integration in Zutrittssysteme oder automatisierte Serviceprozesse.

APIs als gemeinsame Sprache der Gebäudetechnik

Damit verschiedene Systeme miteinander kommunizieren können, braucht es standardisierte Schnittstellen. Genau hier kommen sogenannte APIs ins Spiel.

Vereinfacht gesagt funktionieren APIs wie Dolmetscher zwischen unterschiedlichen Anwendungen. Sie sorgen dafür, dass Gebäudemanagementsysteme, Zutrittskontrollen, Apps oder Roboter Informationen mit dem Aufzug austauschen können.

Früher erfolgte die Kommunikation in der Gebäudeautomation häufig über aufwendige Verdrahtungen. Jede zusätzliche Funktion erforderte neue Leitungen und Anpassungen an der Hardware. Moderne softwarebasierte Schnittstellen arbeiten dagegen über Netzwerke und lassen sich deutlich flexibler erweitern.

Der Vorteil: Neue Anwendungen können integriert werden, ohne bestehende Systeme komplett umzubauen.

Wenn Aufzugsdaten echten Mehrwert schaffen

Besonders interessant wird es, wenn die vom Aufzug erzeugten Daten aktiv genutzt werden.

Ein Anwendungsfeld ist die vorausschauende Wartung. Sensoren erkennen frühzeitig Veränderungen im Betrieb und melden mögliche Wartungsbedarfe, bevor es zu Ausfällen kommt. Facility-Manager erhalten Informationen direkt in ihren Systemen und können Serviceeinsätze gezielt planen.

Auch Gebäudenutzer profitieren davon. Informationen über Wartungen oder Störungen können automatisch über Apps oder digitale Anzeigetafeln bereitgestellt werden.

Darüber hinaus liefern Aufzüge wertvolle Daten für die Gebäudesteuerung. Aus Fahrbewegungen und Lastinformationen lassen sich Rückschlüsse auf die Gebäudenutzung ziehen.

Wenn bekannt ist, auf welchen Etagen sich zu bestimmten Zeiten besonders viele Personen aufhalten, können Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen gezielter gesteuert werden. Gerade diese Gewerke gehören zu den größten Energieverbrauchern eines Gebäudes.

Komfort beginnt bereits am Gebäudeeingang

Besonders sichtbar werden Smart-Building-Konzepte für Nutzer beim Thema Komfort.

So können moderne Zutritts- und Kommunikationssysteme den Aufzug bereits automatisch rufen, während sich Bewohner oder Besucher noch auf dem Weg vom Eingang zur Aufzugslobby befinden. Das reduziert Wartezeiten und verbessert den Personenfluss im Gebäude.

Ein weiterer Schritt ist die Verknüpfung von Zutrittskontrolle, Zielwahlsteuerung und Gebäude-App. Nutzer authentifizieren sich einmal und werden anschließend automatisch zu ihrer Etage geleitet.

„Je früher der Aufzug gerufen wird, desto stärker sinken die Wartezeiten“, so die Erfahrung aus bereits umgesetzten Projekten.

Wie weit diese Integration heute gehen kann, zeigt beispielsweise das Berliner Bürogebäude Cube. Dort arbeiten Gebäudesteuerung, Zutrittssysteme, Zielwahlsteuerung und digitale Services eng zusammen, um einen möglichst nahtlosen Zugang zum Gebäude zu ermöglichen.

Wenn Roboter Aufzug fahren

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Ein weiterer Bereich gewinnt derzeit stark an Bedeutung:

Autonome Serviceroboter

Reinigungsroboter, Transportroboter oder fahrerlose Logistiksysteme können ihre Arbeit oft erst dann vollständig automatisiert erledigen, wenn sie selbstständig zwischen verschiedenen Etagen wechseln können.

Hier übernimmt der Aufzug eine Schlüsselrolle: 

Über offene Schnittstellen können Roboter Aufzüge anfordern, Etagen anfahren und ihre Aufgaben ohne menschliche Unterstützung erledigen.

Besonders in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Hotels oder großen Bürogebäuden entstehen dadurch erhebliche Effizienzgewinne.

Digitalisierung beginnt in der Planung

Viele Integrationsprojekte scheitern nicht an der Technik, sondern an fehlender Abstimmung.

Oft werden Aufzüge, Zutrittssysteme, Gebäudeleittechnik und weitere Gewerke unabhängig voneinander geplant. Erst kurz vor Projektabschluss entsteht die Frage, wie die einzelnen Systeme miteinander kommunizieren sollen.

Deshalb lohnt es sich, Integrationsanforderungen frühzeitig zu definieren und bei der Produktauswahl auf offene Schnittstellen zu achten.

Auch im Bestand spielt dieses Thema eine immer größere Rolle. Viele Aufzugssteuerungen, die vor 20 oder 30 Jahren installiert wurden, erfüllen heutige Anforderungen nur noch eingeschränkt.

Wer ohnehin über eine Modernisierung nachdenkt, sollte daher nicht nur die technische Erneuerung, sondern auch die digitale Anschlussfähigkeit berücksichtigen.

Fazit

Smarte Gebäude entstehen nicht durch einzelne intelligente Produkte, sondern durch das Zusammenspiel vieler Systeme. Der Aufzug entwickelt sich dabei zunehmend von einer reinen Transportlösung zu einem aktiven Baustein der Gebäudeautomation.

Offene Schnittstellen schaffen die Grundlage dafür, Daten auszutauschen, Prozesse zu automatisieren und neue Anwendungen flexibel umzusetzen. Ob vorausschauende Wartung, intelligente Gebäudesteuerung, automatisierte Zutrittssysteme oder Roboterintegration: Viele der Technologien sind bereits heute verfügbar.

„Der Aufzug ist heute ein fester Bestandteil des Smart Buildings“, fasst Andreas Backer zusammen. Und genau diese Entwicklung dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

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